Schmerz und Leid

Der Schmerz und das Leid

Öfter bekomme ich Emails mit der Frage zu Schmerz und Leid. Interessanterweise sind dabei oft „Kopfschmerzen“ oder andere „schwer zuordenbare“ Schmerzen mit im Spiel. Daher veröffentliche ich auf diesem Weg mal meine Antwort.

Es ist natürlich immer schwer aus der Ferne eine „Diagnose“ zu geben, daher kann ich nur von meinen bisherigen Erfahrungen mit anderen Menschen sprechen:
Es gibt einen Unterschied zwischen „Schmerz“ und „Leid“.
„Schmerz“ ist etwas akutes – so in der Art: Du schlägst Dir mit dem Hammer auf den Finger und dann tut es halt weh. Schmerz ist meist recht intensiv und körperlich und klingt nach und nach (sofern Du Dir nicht immer wieder auf den Finger haust) ab. Schmerz ist meist identisch mit dem beginnenden Prozess der Heilung.
„Leid“ dagegen ist etwas „Kopfgemachtes“. Es kann ewig andauern, da es sich selbst erneuert. Als ob man sich ständig neu mit dem Kopfhammer auf die innere Wunde schlagen würde. Leid verhindert meist den Schmerz und damit die Heilungsphase. Leid gibt es nur in der Menschenwelt und manchmal bei Haustieren, die sich in einem Abhängigkeitsverhältnis mit Menschen befinden.
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Ehrlichkeit

Die Ehrlichkeit

Ehrlich sein fängt bei Dir selbst an und endet dort auch wieder.
Ich hatte in einem Seminar eine Teilnehmerin, der es offenbar nicht gut ging.

Ihr (eigentlich sehr schönes) Gesicht war zu einer Maske des inneren Schmerzes verzerrt und sie saß sehr aufrecht – getragen von Disziplin – da. Als die Runde an sie kam sagte sie:
„Ich habe gestern etwas sehr schlimmes erlebt, aber es ist gut jetzt. Der Schmerz darf jetzt gehen, ich bin bereit ihn loszulassen.“

Quelle: WikipediaEs hat aber nicht funktioniert. Scheinbar war der Schmerz noch nicht bereit SIE loszulassen. So ist das mit der Ehrlichkeit. Wäre sie zutiefst ehrlich mit sich selbst gewesen und hätte daraus gesprochen, so hätten ihre Worte wohl eher so geklungen:
„Ich habe gestern etwas sehr schlimmes erlebt, und es beschäftigt mich noch. Der Schmerz soll jetzt endlich gehen, ich halte es einfach nicht mehr aus.“

Damit wäre der erste Schritt getan gewesen um den Schmerz zuzulassen. Der Widerstand gegen den Schmerz macht aus dem Schmerz das Leid. Das zulassen des Schmerzes löst ihn auf und macht aus der gestauten Energie wieder einen Energiefluß.
Menschen sind immer da unehrlich, wo sie Angst haben. Interessanterweise erzeugt jedoch genau diese Unehrlichkeit genau das, was man durch die Lüge vermeiden möchte. Es ist sehr lohnenswert, braucht aber enorm viel Mut, immer ehrlicher zu werden. Ehrlicher und noch ehrlicher. Anfangs mit der groben Kelle, später mit der Zahnbürste in den Ritzen und zuletzt mit dem „Ein-Haar-Pinsel“ zwischen den Rillen der inneren Struktur.

Ehrlichkeit zu Dir selbst und damit zur ganzen Welt ist ein sehr direkter Weg um das Ego aufzulösen und zu einem zutiefst friedvollen und erfülltem Leben…

Die oben erwähnte Teilnehmerin konnte sich im übrigen im Laufe des Seminares zur Ehrlichkeit entschließen. Sie weinte eine ganze Weile, saß dann eine gute Zeit still und war auf einmal wie erlöst, wie verklärt da. Durch ihre Bereitschaft sich ganz dem Schmerz hinzugeben, konnte dieser sie schließlich loslassen.

Alles Liebe,

Dirk.

Das Leben

Immer, wenn ich denke, ich wüßte wie es geht; dann steht das Leben bereits in den Startlöchern um mir zu beweisen, daß es nicht faßbar ist. Die Unfaßbarkeit ist eines der tiefstgehenden Gefühle, fast wie die Wurzel eines Zahnes.

Auch hier: Was geschieht, wenn ich das annehme in all seiner Breite?

Der Verstand schreit in die Seele:

„Das ist echt, das ist fürchterlich, kämpfe, fliehe, mach was.“
Mit schier unmenschlicher Anstrengung zwingst Du Deinen Blick weg vom Außen, weg von der drohend erhobenen Kobra – wider aller Vernunft- hinein ins Innen. Dort tobt der wahre Krieg, mörderische Schmerzen, wirre Gedanken, glühende Lava.
Wieder zwingst Du Dich still zu halten – läßt Dich darin verbrennen – wider jeder Vernunft. Das ist einfach nicht auszuhalten – aber was ist die Alternative? Und dann, wenn es am schlimmsten war, einfach so… Stille. Unfaßbar. Du hebst den Blick, schaust ins Leben und siehst nur angenehme Neutralität – frisch wie eine kühle Brise vom Meer.

Tatsächlich scheint es nur zwei Kategorien des Menschseins zu geben: Diejenigen, die es mitnahm, die sich den inneren Gefühlen und damit dem Leben an sich stellen. Und diejenige, die das nicht tun – sich betäuben um zu über-leben.

Wozu will ich gehören? Wozu gehöre ich?
Diese Frage ist eine wesentliche…

Alles Liebe,

Dirk.
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