Immer und immer wie­der begeg­nen mir in unse­rer Arbeit – sei es in den Ses­si­ons, sei es in den Semi­na­ren – miß­brauch­te Men­schen. So vie­le, daß ich mich oft fra­ge, ob wir dies anzie­hen, oder ein­fach die Welt über­voll damit ist.

Ver­mut­lich stimmt beides.

Und den­noch mag ich das nicht als „nor­mal” hin­neh­men, es ist nie­mals nor­mal, wenn Men­schen sich so etwas antun, egal wie oft es vor­kommt. Im Miß­brauch, so mag es mir schei­nen, gibt es nur Opfer – all­zu oft wur­de der Täter selbst zuvor miß­braucht, als er (oder sie) der schwa­che war. Kei­ner macht sowas ein­fach so, weil man so glück­lich mit sich und der Welt ist, nicht wahr?
Ja, aber – will man dann schnell brül­len. Ja, aber – den­noch ent­hebt das nicht der per­sön­li­chen Verantwortung.
Das ist wahr.
Aber wo bleibt mei­ne per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung, wenn ich vor­schnell ver­ur­tei­le? Ist das nicht letzt­lich auch eine Schutz­wand vor dem Mit­füh­len in die mensch­li­chen Abgrün­de und see­li­schen Nöte?
„Mons­ter-Mut­ter” steht dann auf der Titel­sei­te. Und im Arti­kel sehe ich dann ein Bild einer jun­gen Mut­ter, selbst noch ein Kind, selbst miß­braucht wor­den vom Vater, ein­fach nur die Fort­set­zung einer Tra­gö­die, fast so alt wie die Menschheitsgeschichte.

Was heißt also ‘Mit­ge­fühl’ in die­sem Zusam­men­hang? Nun, es steckt ja schon im Wort drin: Ein­fach alle Pole mit­füh­len und das geht weder, wenn ich mich ins Mit­leid dem ‘Opfer’ gegen­über flüch­te, noch der Ver­ur­tei­lung dem ‘Täter’ gegenüber.
Mit­füh­len heißt dann doch eigent­lich nicht ande­res, als sich den eige­nen Abgrün­den zu stellen…

Alles Lie­be,

Dirk.
www.Liesenfeld.de

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