Diszipliniert sein oder sich gehen lassen?

Was ist das eigentlich? Disziplin? Nun, ganz einfach. Kurz und bündig. In der Disziplin zwingt man sich oder andere Menschen zu etwas, worauf man eigentlich keine Lust hat. Wenn ich zum Beispiel Hunger habe und etwas esse, dann brauche ich dazu normalerweise keine Disziplin.

Es sei denn, ich hätte meine natürlich Intuition für Nahrung verloren, dann könnte es sein, dass ich mich zum essen disziplinieren muss um nicht zu verhungern, oder genau das Gegenteil. Ich muss mich dann vielleicht disziplinieren, um nicht ZU VIEL zu essen. Zu viel nach welchem Maßstab? Modezeitschriften? Die Meinung eines Arztes? Mein Wohlbefinden?

Nun, es scheint also so zu sein, als würde die Disziplin sehr häufig ein Ersatz für eine verlorengegangene Intuition sein. Eine Krücke, als ob mein Bein gebrochen ist und VORÜBERGEHEND nicht benutzt werden kann. In diesem Sinne ist es sinnvoll die Disziplin tatsächlich nur als Krücke zu verstehen. Einer vorübergehenden Hilfe. Ich täte also gut daran, wenn ich mich darauf konzentrieren würde, dass ich sie über kurz oder lang nicht mehr benötige.

Diese Art von Disziplin tritt häufig bei unmittelbaren Grundbedürfnissen auf, also: Hunger, Durst, Geborgenheit, sozialer Kontakt, Schlaf, Sicherheit und so weiter. Man handelt dann aus Gewohnheit oder Angst gegen seine Grundbedürfnisse.
Dazu habe ich ja schon recht viele Videos gemacht. Wenn Du also merkst, dass Du Dich in diesen Bereichen disziplinieren musst, dann solltest Du versuchen herauszufinden, was das Grundbedürfnis ist und diesem einfach zuhören. Einfach nach innen lauschen wann z.B. der Körper Hunger hat und wann er eigentlich satt ist. Wenn Du dies sehr langsam und genau tust, reguliert sich normalerweise das Ganze innerhalb weniger Wochen auf einen wunderbar ausgepegelten Zustand.

Manchmal ersetzt aber auch ein Grundbedürfnis das andere. Wen mir zum Beispiel der soziale Kontakt fehlt, kann es sein, dass der Körper dies versucht auszugleichen durch – naja in dem Beispiel eben – durch mehr essen. Er stopft sich voll, um sich Reserven für die „einsame Zeit“ zu schaffen. Denn in der Natur bedeutet „einsame Zeit“ nämlich ursprünglich „nahrungsarme Zeit“. Das macht schon alles Sinn, was der Körper da macht, der hat nämlich mehrere Millionen Jahre Zeit gehabt so zu werden, wie er heute ist Disziplin

Es gibt aber auch noch eine andere Disziplin und von der möchte auch sprechen. Es ist die – so nenne ich sie jetzt mal – „umzu“-Disziplin. Ich tue etwas, worauf ich keine Lust habe, UM etwas ZU erreichen. UMZU.
Zum Beispiel diszipliniere ich mich derzeit jeden Tag Thailändisch zu lernen, UM im Juli in Thailand mich gut verständigen ZU können. UMZU.
Dek Phyin lae dek Pussai gamlang nang yu thi to.
Ist das nun eine „gute“ oder „schlechte“ Disziplin? Das kann niemand beurteilen, außer ich selbst. Ich muss für mich das GANZE Bild sehen und alles darin bewerten. Ich lege also in die eine Wagschale das tägliche Überwinden meiner Trägheit. Tag für Tag – das darf man nicht unterschätzen, da kommt ganz schön was zusammen.

In die andere Wagschale lege ich den einmonatigen Aufenthalt in Thailand. Ich weiß aus anderen Auslandsaufenthalten, dass man einen besonderen Kontakt zu den Einheimischen bekommt, wenn man deren Sprache zumindest ein wenig spricht. Gerade ich Thailand besonders, weil dort vor allem in den ländlichen Bereichen kaum englisch gesprochen wird. Und ich weiß, dass mir das „eintauchen“ in die andere Kultur eines der höchsten Anliegen ist, bei einer Auslandsreise.

Wenn ich das nun alles in die Wagschale werfe, dann spüre ich sofort in meinem Herzen, dass es total gut ist, thailändisch zu lernen. Und wenn ich mal keine Lust habe dazu, dann stelle ich mir kurz die thailändische Bauernfamilie vor, die ich irgendwo dort treffen könnte und die Möglichkeiten, die entstehen, wenn ich mit ihnen kommunizieren kann und nicht nur lächelnd vorbei laufen muss. Dann fällt es mir auf einmal sehr leicht meine „Disziplin“ – die dann keine mehr ist – zu halten.

Verstehst Du? Es geht auch hier um Bewusstheit. Wenn ich wirklich WEIß und es FÜHLEN kann, dann ist es auch keine Disziplin mehr. Dann muss ich mich auch nicht mehr zwingen. ICH tue NICHTS mehr, wozu ich mich zwingen muss. Ich tue aber SEHR viel, was ich ohne den Blick aufs Ganze NICHT täte.

Das ist vielleicht der allerwichtigste Punkt. Denn ich bin ja nicht alleine auf dieser Welt. Lasse ich mich nun ganz gehen, habe ich bald keine Freude an der Welt mehr und damit auch nicht an mir selbst. Diszipliniere ich mich ohne Bewusstheit, so verliere ich Stück für Stück die Freude an mir selbst und damit auch an der Welt.

Auch hier ein Beispiel. Sagen wir mal, mich ruft ein Mensch an, der mich bittet, ihn zum Flughafen nach Berlin zu fahren. Ich habe dazu erstmal keine Böcke. Jetzt gibt es da folgende Möglichkeiten:
– Ich könnte einfach sagen: Nee, Du, das stimmt für mich grade gar net. Mache ich net.
– Ich könnte auch sagen: Ja klar. Ich fahre Dich.

Beides ist ohne Bewusstheit. Ich blicke nicht aufs Ganze. Aufs Ganze schauen heißt, so viel wie möglich wahrzunehmen. Nicht nur mit dem Kopf, sondern im Herzen. Mitgefühl heißt das Zauberwort. Und dann wird sofort deutlich, was im Sinne des GANZEN stimmig ist.

Es könnte ja sein, dass es wirklich ein Notfall ist. Dass das Auto des Menschen kaputt gegangen ist und er ansonsten den Flug verpassen würde, auf den er monatelang gespart hat. Für mich ist es vielleicht ein leichtes, meine Trägheit zu überwinden, um diesem anderen Menschen damit sehr viel Nachteile zu ersparen.

Vielleicht ist es aber auch so, dass der andere Mensch einfach ein bequemer Mensch ist, der sich nie um etwas kümmert. Oder auch ganz einfach mit dem Zug fahren könnte. Und ich gerade eh etwas kränklich bin und im Bett sein sollte. Dann wird ebenfalls sofort deutlich, was im Sinne des GANZEN stimmig ist.

Ich werte also die Vor- und Nachteile des ANDEREN GENAUSO wie die meinen. Nicht höher, aber auch nicht weniger.

Verstehst Du – das ist keine Verstandesgeschichte. Der Verstand sammelt nur die Fakten. „Aufgerechnet“ wird dies im Herzen. Das Herz zeigt sehr deutlich, was WIRKLICH stimmig ist – wenn man ihm dann auch lauscht.

Es ist sehr lohnenswert, sich mit diesem Thema eingehend zu beschäftigen. In dieser Sache die „große Stimmigkeit“ zu finden, macht das Leben so viel – ehm – fülliger. bunter, erfüllter – das ist das richtig Wort.
Im Sinne des Buddhismus:
Die tiefste Ursache für das eigene Glück ist die Hinwendung zum Glück aller Wesen.
Also – mich selbst dabei auch mit eingeschlossen.

Ich widme inzwischen einen Großteil meiner Kraft und Zeit dem Wohlergehen anderer Menschen. Manchmal bekomme ich dafür Geld, meist jedoch nicht. Das tue ich nicht, weil ich so ein unglaublich selbstloser Mensch ursprünglich bin. Ich tue das, weil ich irgendwann so richtig tief im Herzen verstanden habe, dass es mir so viel besser geht, wenn ich das tue. Auf eine Art sind damit wahrhaft selbstlose Menschen die egoistischsten von allen. Sie sorgen in letzter Konsequenz für ihr eigenes Wohlergehen, denn letztlich ist das die Triebfeder allen menschlichen Handelns.

Lass es Dir gut gehen – finde heraus, wie das wahrhaftig geht.
Eine Welt in der es allen Wesen gut geht.
Wäre das nicht der einzige Ort, an dem Du wirklich sein möchtest?

Alles Liebe,
Dirk Liesenfeld.


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