Einträge ‘spiritualität’

Gurus und Spiricircus

Über Gurus und dem Spiricircus

Alles Liebe,

Dirk Liesenfeld.

 

Der Tiger

Dirk

Lass ihn raus, den Tiger!
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… or would you like to listen to it in english?

Lass ihn raus den Tiger…

Spiritualität ist NICHT, sich alles gefallen zu lassen.
Spiritualität ist auch NICHT, einfach um sich zu schlagen.
Es ist vielmehr die kunstfertige und hellwache Balance zwischen der Hingabe, zu dem was ist und dem “richtigen” Handeln (“richtig” nicht im moralischen Sinne)
Situationen, die Dir immer wieder begegnen, haben stets die eigentliche Ursache in Deinem Inneren. Das heisst nicht, dass das “Aussen” jetzt Narrenfreiheit hat. Wenn mir jemand auf die rechte Wange schlägt, halte ich nicht automatisch die linke auch noch hin. Nicht automatisch, aber manchmal doch. Manchmal gehe ich jedoch auch weg. Und ganz manchmal – also sehr, sehr selten – schlage ich zurück.

“Wann ist nun also welche Handlung sinnvoll”, könntest Du jetzt fragen?

Diese Frage bringt Dich nicht weiter, da es für das Leben keine Gebrauchsanweisung gibt, auch wenn Dir dies viele Menschen, Bücher oder Glaubenssysteme gerne weissmachen wollen. Der erste Schritt ist ganz zu fühlen, was etwas mit Dir macht. Dafür hat man – wenn man daran denkt – in den meisten Situationen Raum. Wie fühlt es sich an, wenn Dir jemand zum Beispiel per Email schreibt, dass Du absolut “blabla” bist und überhaupt froh sein könntest, wenn überhaupt “blabla”. Meist fühlt man da zuerst Wut und will es dem anderen zurückzahlen. Manche fühlen auch Scham oder Trauer und wollen es wieder einrenken. Im ersten Fall wird man zum (Mit-)Täter, im zweiten Fall zum (freiwilligen) Opfer.
Die dritte Möglichkeit ist die, einfach erstmal nichts zu tun, ausser – ganz zu fühlen, was da in Dir vor sich geht. Sich selbst aushalten und dabei äusserlich stillhalten. Ruhig einige Tage lang.
Und erst wenn sich Dein Innerstes beruhigt hat, erst wenn die Antwort oder Handlung im Aussen nicht mehr wirklich wichtig wäre. Erst dann entspringt aus Dir die “richtige” Aktion. Es ist dann eben keine Reaktion mehr, sondern eine Aktion, die wirklich ganz von Dir kommt. Manchmal muss man ihn dann rauslassen, den Tiger. Manchmal einfach nur den Anderen mehr lieben. Manchmal einfach weggehen. Meist braucht es jedoch gar nichts mehr.

Wie ist das nun in Konflikten, aus denen man nicht einfach weggehen kann oder will? Vielleicht an einer Arbeitsstelle, die echt gut wäre, wenn da nicht der doofe Kollege wäre? Oder bei einem Geburtstag des Vaters, wenn da nicht die ständig nörgelnde Mutter wäre? Oder dem Wohnort, wenn da nicht der Nachbar unterhalb wäre?
Die Antwort ist einfach, sie umzusetzen etwas anspruchsvoller. Zuerst – wie oben beschrieben – stillhalten. Die Gefühle stiller werden lassen, zum Beispiel zu Hause erstmal. Dann schauen, was die eigene Position in diesem Streit ist.
Die meisten Streits laufen ja nach diesem Schema ab: Einer behauptet was, zum Beispiel: “Es ist doch ganz klar, dass Du jedesmal blabla und das geht nicht weil blabla.” Dann sagt der Andere: “Nein das stimmt nicht, weil blabla.” Damit machen beide dasselbe – sie setzen den Anderen ins Unrecht und sich selbst ins Recht. Was es also braucht, ist erstmal eine ausgestreckte Hand in Sinne eines Stopschildes (vielleicht sogar in Echt) und die Botschaft: “Moment, das geht mir jetzt zu nah.” und danach die Botschaft: “Aha, bei Dir ist es also so, dass Du denkst es müsste blabla. Bei mir ist das anders, nämlich blabla. Können wir da irgendwie ein Miteinander finden?” Dadurch wird aus dem unlösbaren “richtig” und “falsch” eine eventuell lösbare Herausforderung trotz der unterschiedlichen Sichtweise ein Miteinander zu finden. Vielleicht gibt es im Einzelfall kein Miteinander, dann kann man aber den anderen mit seiner anderen Sichtweise gut so sein lassen und wählt für sich die richtige Distanz, damit es einem selbst und allen anderen gut geht.

Weg vom Gegeneinander und hin zum Miteinander – die Basis für Frieden in mir und in der Welt.
Seine eigenen Gefühle (er)tragen lernen, ist der erste Schritt zu diesem Ziel.
Sobald es in Dir friedlicher wird, passt sich auch das Aussen an. Nicht umgekehrt.
Schritt für Schritt…

Alles Liebe,
Dirk.

 

London

Spiritualität in London
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Derzeit verbringe ich ein paar Tage in London, und ich schreibe diese Zeilen in der National-Gallery am Time Square.
London ist eine sehr interessante Stadt – sehr laut, vielfältig und schnell.Vielleicht am ehesten mit Paris oder New York vergleichbar; eine Weltstadt halt. Doch wenn man genauer hinsieht, zwischen den Zeilen liest, zeigen sich die Perlen. Kommt das Unerwartete zu Tage. Mir begegnet hier eine Art Spiritualität, die sich wohltuend von der “Konzept-Spiritualität” abhebt. Shiva-Shakti, Herzchakra, Tantra, Kundalini-Aufstieg – das scheint man hier nicht zu kennen. Das einzige Namasté, welches ich hier fand, war der Name eines indischen Restaurants, noch nicht mal ein biologisches. Doch, was mir hier seit meiner Ankunft wirklich ständig begegnet, ist eine ganz besondere, eine gelebte Spiritualität.
Schon am Flughafen am Information-Desk: Ein 1,95 Großer Bär von einem Mann, afrikanischer Herkunft. Ganz ruhig ist er und freundlich. Während er mir eine kurze Einführung über London gibt, lacht er viel, scherzt mit mir und seinen beiden Kolleginnen: Er macht offensichtlich seinen Job gerne, hat ein inneres Strahlen und eine ansteckende Zufriedenheit. Im Zug begegnen wir einem Schaffner, voller Charme und sprudelnde Freude. Auch er ist erfüllt von seinem Tun, ist augenscheinlich mit Leib und Seele Schaffner.
Viele Begegnungen dieser Art erlebe ich dieser Tage, und nun – gerade eben in der National-Gallery – noch eine, die mich zutiefst berührt:

The ugly dutchess

Eine Schulklasse sitzt vor einem Bild. Es ist ein seltsames Bild. Eine aufgetakelte, alte Frau in einem Kleidchen, welches wohl eher zu einer jungen Frau passen würde. Grotesk und perfekt geeignet um unbändige Langeweile in der Schulklasse zu erzeugen. Doch nicht hier, denn der Museumsführer liebt ebenfalls seinen (ganz sicher völlig unterbezahlten) Job. Mit einem unglaublichen Charm und Eifer fesselt er das Grüppchen mit seinen Erzählungen – eine Stecknadel könnte man fallen hören in seinen Sprechpausen. Er stellt eine Frage an die vorpubertäre Gruppe, alle Arme schießen nach oben – das soll ihm mal jemand nachmachen.
Dann das für mich Unfassbare: Er schaut in die Gruppe und sagt: “Did you know, you are perfect?” – “Wusstet ihr, dass ihr perfekt seid?” Er schaut einen Jungen an und sagt: “Du bist ein göttliches Wesen”, dann zu einem Mädchen mit Brille und Zahnspange: “Du bist umwerfend schön.” Und wieder zu einem Jungen: “Du bist ein großartiger Mensch.”
Und nun zu allen Besuchern im Raum: “Ist es ein Problem alt zu sein? Sicherlich nicht. Doch ist es ein Problem, nicht alt werden zu wollen? Sich nicht annehmen zu können, als das, was man ist? Schaut euch diese Frau an, die nicht alt sein möchte; sich als junges Mädchen darstellt und dadurch grotesk und lächerlich wirkt. Würde sie sich annehmen, als das, was sie ist, so wäre sie würdevoll und schön. Und genau das, wollte der Künstler hier darstellen. Can you hear, what the picture is telling you?”
… und alle können es hören und fühlen.

Ich verlasse den Raum und bin dem “Museums-Seminarleiter” sehr dankbar, dass er sich so an die Welt verschenkt.
Egal, was Du tust – lass es ein Seminar sein, einen besonderen Raum der Liebe und des Miteinanders. Das Maß Deiner Spiritualität zeigt sich an Deiner Fähigkeit, jeden Moment freudvoll genießen und annehmen zu können. Und Nächstenliebe ist in diesem Sinne die Fähigkeit, andere Menschen an dieser inneren Freude teilhaben zu lassen.

 

Lebendig sein

Dirk

Lebendig zu sein – was heißt das denn?
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Es heißt doch zu allererst ganz auf der Erde anzukommen:
Für sich selbst sorgen zu können, z.B. auch finanziell, Kontakte mit anderen Menschen eingehen zu wollen und zu können, eine Heimat zu finden, die wirklich eine solche ist.

Aus dieser Basis (spirituelle Menschen würden sagen: Von diesen unteren drei Chakren ausgehend) kannst Du Dich dann dem großen, dem “gemeinsamen” Herzen öffnen: Dein Umfeld mit-fühlen, Mutter Erde wahrnehmen, die Menschheit lieben…

Der Sprung zum 4. Chakra beendet die eigene Nabelschau, doch er mag nur vollständig gelingen, wenn die Hausaufgaben (Chakra 1-3) wirklich gut und gründlich gemacht wurden. Jeder ausgesparte Bereich des Irdischen, läßt den Sprung ins große Herz von einem Aufstieg zu einer Flucht verkümmern und so wird’s dann nicht gelingen.
Mal ganz pragmatisch formuliert: Erst wenn Du Deinen Nachbarn, Deine Eltern, Dich selbst und jeden Politker lieben kannst, kannst Du Deine universelle Liebe erblühen lassen. ‘Lieben’ heißt dabei nichts anderes, als so tiefes Mitgefühl zu entwickeln, dass alles und jeder so sein und bleiben kann, wie es halt ist.

Der weitere Aufstieg geschieht ganz von alleine, denn wenn Deine Aufmerksamkeit vom Hirn ins Herz gerutscht ist, gibt es keine andere Richtung mehr, als nach oben. Ich habe noch niemanden erlebt, der wahrhaft herzverbunden lebt und noch auf der Suche nach irgendetwas gewesen wäre. ‘Auf der Suche sein’ heißt im Hirn zu verweilen. ‘Im Hirn zu verweilen’ heißt das Leben in und mit dem Materiellen noch nicht gemeistert (im wahrsten Sinne) zu haben.

Viele ‘spirituelle’ Menschen, viele Sucher bewegen sich auch noch nach Jahren im Kreis, denn sie versuchen dem sogenannten Grobstofflichen zu entfliehen um endlich feinstoffliche Energie zu werden. Es braucht dann viel Mut, um sich willentlich und freudvoll dem Ur-Irdischten zuzuwenden und all das damit Verbundene zu erforschen:
Sexualität, Macht, Ohnmacht, Freude, Trauer, Schmerz, Ekstase, Geld, Männer, Frauen, Gewalt,… Du kannst die Liste endlos fortführen. Hier gilt’s gründlich und genau zu sein. Neugierig und mutig sich dem zu stellen, was man nicht haben will, wovor man in die Spiritualität flüchtet. Und genau dann, wenn es gar nicht mehr nötig wäre, beginnst Du zu schweben wie ein Schmetterling.

Vergiss also den ganzen Konzepte-Käse mit Chakren, spirituellen Aufstieg und was auch immer und wende Dich ganz – mit Leib und Seele DEINEM Leben zu und erkunde jeden Winkel darin. Nicht, um irgendwas damit zu erreichen, sondern einfach nur deshalb, weil es Dein Leben ist – eine Perle im Meer des Universums.

Alles Liebe,
Dirk.

 

Waffenhändler

Dirk

Der Waffenhändler in uns allen
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Letzte Woche war ein Waffenhändler bei mir und fragte mich um Rat. Er verdient sein Geld damit, dass er z.B. Splittergranaten in die dritte Welt verkauft. Er hat das Problem, dass sein Privatleben nicht so wirklich harmonisch ist: Die dritte Scheidung, kein Kontakt mit den Kindern, Nachts kann er nicht schlafen, weil er innerlich aufgewühlt ist und so weiter.

Er wollte von mir wissen, was er ‘Spirituelles’ tun könnte, damit sein Leben ruhig und harmonisch wird. Ich sagte ihm, dass es wohl ein guter Anfang wäre seinen Job zu wechseln. Das ginge nicht, entgegegnete er sichtlich aufgebracht, weil er viele Verpflichtungen hätte – nicht nur finanzielle und überhaupt er nicht wüsste, womit er sonst sein Geld verdienen solle. Außerdem wären da die Alimente, die zu zahlen wären und überhaupt. Er wiederholte also seine Frage, was ich ihm spirituelles raten könne, damit sein Leben friedlich würde?

Liebe Freundin, lieber Freund – was würdest Du ihm raten…?

Die Geschichte mit dem Waffenhändler ist natürlich frei erfunden, doch sie zeigt sehr schön das Dilemma in welchem viele Menschen festsitzen.

Spiritualität ist wie laufen lernen. Du machst einen Schritt in Dir (z.B. Meditieren, Dich wahrnehmen, achtsam mit der Welt sein…) und dann einen in der Welt (z.B. Job wechseln, Menschen anders begegnen, Zimmer aufräumen…) Verpasst Du einen Schritt (entweder den in Dir oder den in der Welt), so bleibst Du stehen – auf einem Bein und auf demselben Fleck und das ist sehr ermüdend.

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Frau (keine Waffenhändlerin, sondern eine Angestellte bei einem Finanzdienstleister). Sie ist unzufrieden mit ihrem Leben, sehnt sich nach mehr Harmonie, Ruhe und Wohlbefinden. Es ist ihr klar, dass ihre jetzige berufliche Situation sie nicht erfüllt, ein stetiger Kampf ist – doch auf meine Frage, wieso sie weiterhin da arbeitet, hat sie viele vernünftige Gründe, die eine Kündigung nicht erlauben.

Ich würde nie jemandem raten diese oder jene Entscheidung zu treffen, doch ist es meine Aufgabe aufzuzeigen, warum sich das Leben zeigt, wie es sich zeigt. Wenn zum Beispiel Dein Zimmer, indem Du lebst, eine Müllhalde ist, so brauchst Du Dich nicht zu wundern, wenn es Dir schwer fällt in einen Zustand der angenehmen Meditation hinabzugleiten. Umgekehrt: Wenn Dein Inneres eine Müllhalde ist, so brauchst Du Dich nicht zu wundern, wenn sich das auch in Deinem Aussen wiederspiegelt.

Fange einfach irgendwo an und gehe den ersten Schritt. Nach einiger Zeit (Tage oder Wochen) wirst Du stagnieren und dann braucht es den anderen Schritt. Es hilft manchmal sich vorzustellen, dass es die Welt nur noch zwei Jahre gibt – was wäre dann nicht mehr akzeptabel in Deinem Leben, so wie es jetzt grade ist…?

Alles Liebe,
Dirk.

P.S. Der heutige Maya-Kalender (Roter Galaktischer Drache) passt da wieder perfekt dazu:
Wir leben in der materiellen Welt, um mit der Materie zu spielen – wie Kinder im Sandkasten. Beobachte mal, wie Kinder das machen. Immer und immer wieder auf’s neue formen und graben sie im Sand, um es wieder zu zerstören oder vergehen zu lassen. Der Sandkasten bietet nur einen gewissen Raum – um Neues zu formen, MUSS daher das Alte vorher vergehen.

 

Erleuchtung?

Dirk

Erleuchtung? Und was dann…?
Ich war die letzten Wochen sehr viel unterwegs, bin durch halb Europa gedeichselt. Dabei sind mir sehr viele Menschen begegnet – unter anderem eine erleuchtete Frau in Österreich. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und vom ersten Moment an gespürt, daß wir miteinander etwas vorhaben, etwas aneinander lernen möchten.

Sie erzählte mir auch viel von anderen “Erleuchteten” und Schamanen, die sie kennt und daß eigentlich alle das gleiche Problem haben, nämlich sich seit dem Zeitpunkt der Erleuchtung nicht mehr im Menschenleben zurecht finden. Einige sind auch inzwischen körperlich erkrankt. Und tatsächlich scheint es auch so in der Ahnengalerie der Erleuchtung nicht anders zu sein:

  • Von Buddha wird berichtet auf ihn wären einige Mordanschläge verübt worden, die er allerdings überlebte, letzlich starb er aber dann wohl qualvoll an einer Fischvergiftung
  • Ramana Maharshi starb (zumindest sein Körper) qualvoll an Krebs. Er sagte zwar zum Abschied: “Das was ich bin, kann nicht sterben, weil es nie geboren wurde.” Das ist wahr und dennoch…
  • Oshos Leib siechte wohl auch über lange Zeit, bevor er letzlich starb
  • Von Krishna Murti wird ebenfalls berichtet, daß sein Körper oft stundenlang von Krämpfen geschüttelt wurde

Es gibt da auch andere Beispiele, z.B. von Gendün Rinpoche oder anderen tibetanischen Meistern, welche eben sehr friedlich die körperliche Welt verliessen. Da heißt es: “Gendün Rinpotsche verließ seinen Körper am 31. Oktober 1997, nach 22 Jahren Wirken und Lehren in Europa. Er verweilte nach seinem Tod zweineinhalb Tage im Thugdam, der Meditation der Natur des Geistes, wie sie große, verwirklichte Meister im Moment ihres Todes vollziehen. Während dieser Zeit blieb seine Herzgegend handwarm und sein Gesicht wirkte jung und strahlend.” (Aus dem wundervollen Buch: Herzensunterweisungen eines Mahamudra-Meisters)

Nun, über den Erleuchtungszustand ist schon viel geschrieben worden und man kann ihn vielleicht kurz als Zustand der Einheit mit allem zusammenfassen. Es gibt da kein “Ich” mehr, keine Trennung zwischen der Wahrnehmung und dem Wahrgenommenen – pures Gewahrsein halt. Kennen manche sicherlich auch als leichte Vorahnung aus Meditationen, im Orgasmus oder durch Drogen wie LSD.

genduenEs gibt nun offenbar immer mehr Menschen, die sowas wie einen spirituellen Unfall erleben – sowas wie: Was heftiges passiert, es schmort was durch – Puff – Ego weg, pures Gewahrsein. Diese Menschen sind oft sehr orientierungslos, haben kein Interesse mehr am Menschsein, hat es jede Wurzel weggerissen, wie ein Baum in einem Orkan. Nicht wenige – davon bin ich überzeugt – landen in der Psychatrie. Ramana Maharshi z.B. wurde aufgefunden in einem Kellerloch und Maden hatten bereits seine Beine angeknabbert.

Der andere Weg ist der Weg des Herzens – wie ihn Buddha lehrte. Hier läuft es in eine andere Richtung: Der Suchende geht ganz bewußt mitten durchs Leben hindurch. Er geht tief ins Menschsein und entwickelt mehr und mehr eine allumfassende Liebe. Er bildet so tiefe Wurzeln im Menschsein, daß ihm eine gewaltige Krone wächst. Hier passiert die Erleuchtung sanft, fast unmerklich, sehr unspektakulär. Und dann passiert wahre Non-Dualität: Das Menschsein hat seinen Platz erhalten im großen Ganzen. Solche verwirklichten Menschen leben ganz unscheinbar – sie sind oft sehr ruhig, freundlich, sind pure Liebe. Es ist schön in der Nähe solcher Wesen zu verweilen, wie im Schatten einer großen Eiche…