Archiv für Oktober, 2009

Meditation

Dirk

“Eine Frage zur Meditation”
Manchmal beantworte ich Emails auch mit einer kurzen Sprachnachricht.
Irgendwie finde ich das persönlicher.

Diese mp3 möchte ich gerne hier veröffentlichen, weil sie vielleicht auch anderen ein Fingerzeig sein kann.

Hallo Dirk,

manchmal habe ich das Gefühl, dass du die Reports ausschließlich für
mich schreibst…..
Ich bin schon ein gutes Stück weit gekommen, spirituell.
Das mit der Meditation habe ich jedoch noch nie richtig verstanden. Ist
Meditation an nichts denken oder stellt man sich da die Dinge vor, die
man sich wünscht?

LG Frank

Hier meine Antwort:

Alles Liebe,

Dirk.

 

Vergänglichkeit

Dirk

“Die Vergänglichkeit”
Im letzten Seminar war auch das Thema Tod und Vergänglichkeit mit zu Gast – ein sehr tiefgehendes Thema, welches viel in den Teilnehmern und auch in mir bewegt hat.
Was mich da besonders berührte, ist ein Erlebnis, welches ich vor einigen Wochen hatte:
Die Aufbahrung meines Vaters war für mich etwas ganz neues – noch nie hatte ich zuvor so etwas bei einem mir nahestehenden Menschen erlebt.
Der Leichenbestatter hatte mich ein wenig “vorgewarnt”, er meinte:
“Naja, sie wissen ja, es gab eine Obduktion. Seien sie also auf einen dementsprechenden Anblick vorbereitet.”
Als ich dann vor dem aufgebahrten Körper meines Vaters stand, war ich sehr überrascht – ich glaube ich habe sogar kurz aufgelacht. Mein Vater sah aus wie ein humorvoller, meditierender Buddha. So hatte ich ihn nie zuvor gesehen, denn er war eher Zeit seines Lebens zwar ein herzensguter Mensch, aber halt mürrisch und aufbrausend gewesen. Irgendetwas muss zum Zeitpunkt seines Todes von ihm abgefallen sein – eine Art Schleier – und etwas größeres in ihm freigelegt haben.
Dann wurde ich traurig, denn ich spürte, wie gerne ich meinen Vater als Kind in dieser Weise gehabt hätte:

Humorvoll und zentriert.

In diesem Moment wurde mir etwas klar, was mich vorher in dieser Weise noch nicht  umfasst hatte – der Wert des Lebens.
Natürlich weiß man das ja irgendwie: “Das Leben ist wertvoll.”
Und warum es wertvoll sein soll, kann man ja auch in jedem spirituellen Buch nachlesen.
Für mich wurde in diesem Moment aber mein höchstpersönliches WARUM klar. Das Leben ist für mich so kostbar, weil es den Raum bietet um zu entfalten, was wir wirklich sind – Nennen wir es mal unsere Essenz, oder Zielgestalt oder Göttlichkeit. Um dies zu erfüllen, ist jeder Moment kostbar und wichtig.

Leben – ein Strom zwischen den beiden Abgründen
Eine Öffnung im Dunkel, ein Raum zum Ergründen.
Ein Weg der Begegnung, ein Pfad hin zum Sein
zu groß zum Verweilen , zum Eilen zu klein.

Ich wünsche Dir eine gute Zeit.

Alles Liebe,
Dirk Liesenfeld.

 

Meines Vaters Tod

Dirk

“Der Tod meines Vaters”

Wie erinnere ich mich an meinem Vater?
Mein Vater war das, was man wohl so “rauhe Schale, weicher Kern” nennt. Wenn man ihm begegnet ist, erlebte man zuerst seine rauhe Schale; mein Vater hatte erstmal eine etwas ruppige Art. Barsch und leicht aufbrausend. Es gab eine Zeit – vor allem als Jugendlicher – da hat mich das befremdet.
Wenn ich ihn zum Beispiel angerufen habe, dann begrüßte er mich meist mit einem Satz wie:
“Ach, der Dirk. Ist ja auch mal nett, daß Du anrufst.”

Papa im LebenIrgendwann habe ich verstanden, daß das seine Art des Ausdrucks seiner Liebe zu mir war. Denn mein Vater hatte ein großes Herz und wer sich nicht von seiner rauhen Schale abschrecken ließ, durfte dahinter einen sehr warmherzigen Menschen erleben, der es oft nicht leicht im Leben gehabt hat.

Ich habe dann gesehen, daß hinter dem Satz
“Ach, der Dirk. Ist ja auch mal nett, daß Du anrufst.
eine kleine Liebeserklärung stand. Ich konnte den Satz für mich in seine Gefühle übersetzen, ich verstand ihn als:
“Mensch Dirk. Ich freue mich wirklich, daß Du anrufst und weiß gar nicht, wie ich die Freude darüber ausdrücken soll.”

In den letzten Jahren hatte ich nicht allzuviel Kontakt zu meinem Vater. Wir haben gelegentlich telefoniert und ab und an habe ich ihn besucht. Dennoch fühlte sich – auch noch jetzt – der Kontakt zu ihm friedlich und komplett an. Er lebte in seiner Welt, ich in der meinen.
Im Kontakt mit meinem Sohn Noah erlebte ich dann, daß vieles von meinem Vater auch in mir steckt. Das Herausfordernde genauso, wie das Berührende. Ich durfte auch viele Situationen, die ich mit meinem Vater als Kind erlebte, aus meines Vaters Position Noah gegenüber erfahren und habe meinen Vater dadurch auf eine nochmals andere Art kennengelernt.

Es ist manchmal nicht leicht in einer Welt wie dieser ein großes Herz zu haben – zutiefst berührbar zu sein. Es ist so verführerisch seine allertiefsten Gefühle hinter einer abwehrenden Wand der Ruppigkeit zu verstecken. Aber ist es nicht das, was uns menschlich macht?
Die Berührbarkeit und die Ehrlichkeit damit umzugehen?

Mein Vater lebte auf einem Campingplatz in der Natur, die er so sehr liebte. Er nahm sich oft kein Blatt vor den Mund und sagte das, was er dachte. Manche Menschen konnten damit nur schwer umgehen, damit macht man sich halt manchmal keine Freunde. Doch genau das ist für mich eine Form von ehrlichem Umgang – ehrlich und direkt.

Papa im TodWenn ein Mensch stirbt, so lebt er nicht weiter in unserer Erinnerung, denn Erinnerungen sind nur ein Echo der Vergangenheit.
Er lebt doch vielmehr weiter in unseren Erfahrungen, die wir mit ihm haben. Denn die Erfahrungen haben uns Menschen zu dem gemacht, was wir heute, jetzt in diesem Moment sind. Und unsere Erfahrungen sind das, was uns weiter ausformt. Sie sind die Essenz des Lebens, in ihr leben all unsere verstorbenen Freunde und Verwandten in uns weiter.

Das Leben ist für mich eine endlose Kette – beginnend vor vielen tausenden von Jahren und hinein in eine ferne Zukunft. Eine Kette von Erfahrungen, die wir als menschheitliches Erbe von Generation zu Generation weiterreichen und in der wir zusammen als eine Gemeinschaft auf diesem Planeten wachsen und reifen.
Das ist für mich ein sehr tröstliches und verbindendes Bild.

Ich danke meiner Oma, die meinen Vater geboren hat.
Ich danke meiner Mutter, die mich geboren hat.
Und ich danke Sarah, die meinen Sohn Noah geboren hat.
Ein kleiner Kettenstrang unter unzählig vielen in diesem Kosmos.
Aham Prema. Amen.

Alles Liebe,

Dirk.