Archiv für Dezember, 2008

Weihnachtsgruss

Sarah

Heute ist Heiligabend. Wir waren gerade noch in der Stadt und haben die letzen Geschenke besorgt. Ich bin zwar auch immer wieder gestreßt , aber ich liebe es Geschenke zu machen. Manchmal habe ich richtig originelle Ideen und wie es mich dann freut, wenn der/ die Andere dann ganz überrrascht und freudig ist.Für mich ist es überaus beglückend ein Geschenk zu machen, daß jemand anderen wirklich im Herzen erfreut oder ihm nützlicht ist.
Genauso ergeht es mir in den Seminaren. Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die zu uns in die Kurse gekommen sind und die Geschenke, die Dirk und ich bereitgehalten haben, angenommen haben. Das erforderte von euch oft sehr viel Mut und die Bereitschaft altbekannte Dinge mit neuen Augen zu sehen und setzte grosses Vertrauen in mich und Dirk voraus. Daher gingen manche Geschenke auch nur unter Protest oder mit sehr viel gutem Zureden weg. Bei Anderen kamen wir wiederum mit dem Schenken kaum nach. Es hat mir aber in jedem Fall sehr viel Freude bereitet. Und dafür möchte ich mich bei jedem einzelnen von euch bedanken. Für die Freude ein Geschenk zu sein.
Ich wünsche euch allen einen schönen Weihnachtsabend und einen kraftvollen Übergang ins neue Jahr.

Sarah.

 

Weihnachten

Dirk

Weihnachten, das Fest der Liebe.
Ich finde es traurig, daß es ein Fest braucht, damit Liebe unter den Menschen weilen soll. Noch trauriger finde ich dann das, was ich sehe, wenn ich mir anschaue, wozu Weihnachten gemacht wurde – es ist ein Konsumereignis sondersgleichen. Auf den ersten Blick.
Auf den zweiten Blick sehe ich dann die kleinen Perlen: Familien, die durch die Stadt ziehen, Papa ist zur großen Freude der kleinen Zöpfchen-Prinzessin auch mit dabei. Sie schaut ihn immer wieder mit leuchtenden Augen an und daß alle irgendwie gestresst sind, scheint sie nicht zu berühren.
Dann bin ich überrascht – die Bäckersfrau lächelt mich an, und daß obwohl wirklich viel Andrang in der Bäckerei ist. Ich spüre tiefen Frieden in mir, in Mitten der gestressten Menschenmassen. Und daß mich von hinten ein (offensichtlich schlechtgelaunter) Mann anrempelt, berührt mich nur wenig.

Quelle: WikipediaIch ziehe durch die Stadt, sehe immer mehr kleine Inseln der Schönheit um mich herum:
Die Lichter, den Duft von gebrannten Mandeln, Menschen in Eile, Menschen in Ruhe, Bäume und Autos.

Ein Fest der Liebe entsteht da, wo ich die Kleinigkeiten wahrnehme. Schönheit ist nichts anderes als in jedem Element dieses Lebens die Kleinigkeiten zu entdecken – völlig wahllos und unreflektiert.

Und das geht im übrigen auch an Weihnachten.
Ich wünsche Dir ein schönes Fest.

Alles Liebe,
Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Guru

Dirk

Gestern fragte mich jemand per email: “Bist Du ein Guru?”
Da habe ich kurz nachdenken müssen, weil ich keine rechte Antwort wußte. Ich habe dann bei Wikipedia nachgeschaut. Jetzt weiß ich, daß Guru soviel heißt wie: “Der, welcher das Licht bringt”.

Dann war die Antwort sehr leicht auf einmal: Nein, ich bin kein Guru. Und jeder der sagt, er wäre einer, ist ein Scharlatan. Niemand kann Dir das Licht bringen. Was man jedoch sehr wohl kann – und darin sehe ich meine Gabe – ist das aufzuzeigen, was in Dir Schatten wirft. Den Zeigefinger auf die verhärteten Stellen legen, dort wo die Angst sich ein Nest gebaut hat.

Mehr kann da nicht getan werden, denn sobald dies geschehen ist, braucht es Deinen eigenen Einsatz mutig an genau diese Stellen zu gehen und aufmerksam hinzusehen. Das Licht der Aufmerksamkeit wird nach und nach die Angst zerschmelzen lassen, sie zuerst voll erblühen lassen – letztlich als tiefgehender Schmerz – um dann den Schatten weichen zu lassen, wie Nebel in der Morgensonne.

Das Licht kommt dann von ganz alleine, denn es war ja nie weg.

Insofern muß ich nun wohl doch die Antwort auf die anfängliche Anfrage korrigieren: Ja, ich bin ein Guru – nämlich mein eigener, so wie Du Dein eigener bist, denn Du und nur Du kannst Dir selbst das Licht bringen…

mond1Der fast volle Mond zeigt sich grade hinter den Wolken. Ich blicke aus dem Fenster und ohne mein Zutun schreiben meine Finger ein Gedicht:

Der Mond ist aufgegangen,
Die Herzen sind verhangen.

Was nützt die Liebe in der Welt,
wenn sie nur auf Steine fällt?

Ist Leben das was lieben will,
ist Liebe das was leben will?

Ist wollen das was niemals will?

Den Mond juckt es nicht.
Er scheint ungerührt weiter,
der alte Sack.

Alles Liebe,
Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Frieden 2

Sarah

Ich hatte mir letztens zu einem anderen Thema folgende Gedanken gemacht, die ganz gut Dirks Beitrag ergänzen: Erleuchtung
Was ist denn das im Grunde? Eigentlich- alle Schatten sind fort von mir? Ach nee, es ging ja auch um Integration. Na gut, dann also mal rein damit. Mmh, aber eigentlich wollte ich doch “erleuchtet” sein, damit das Böse, der Krieg, der Haß, das Elend, das Unerträgliche nicht mehr da sind. Die Welt von all dem befreit ist.
Wen wollte ich jetzt nochmal befreien, mich oder die Welt?
Müsste es dann nicht so sein: Wenn ich mich befreien möchte, von all dem, was ich nicht ertragen kann, von meinem Schatten, von all dem was ich als falsch auf dieser Welt empfinde, dann gebe ich ihm in mir keinen Platz. Versperre mich davor, gebe es den Anderen, der Welt.
Wenn ich aber die Welt “erleuchten” will, muß ich das Grausame und Abgelehnte, alles was ich in der Welt nicht haben will, nicht einfach nur ganz zu mir holen?
Wenn ich z.B Krieg ganz in mir spüre, mich ganz dem Zustand des “im Krieg mit etwas sein” öffne, entsteht dann vielleicht in der Welt ein freier Platz für den Frieden?
Vielleicht ist das die ” Erleuchtung”. All dem einen Platz in mir geben, was ich in der Welt ablehne.

 

Frieden

Dirk

Wir haben grade mal wieder die Weihnachtszeit und da berührt mich ein Thema ganz besonders: Der Frieden.
Lange Zeit dachte ich, daß man nur selbst friedlich genug sein müßte und dann würde das schon werden mit dem Frieden um mich herum. Das ist aber nicht so, kann auch gar nicht so sein – was für ein Größenwahn. Das hieße doch eigentlich: Wenn ich nur friedvoll genug wäre, dann herrscht auf einmal Frieden in der ganzen Welt, denn die Welt ist ja das, was letztendlich um mich herum ist. Und es geht ja auch nicht wirklich um den Frieden in der Welt, es geht um den Frieden in mir. Je mehr ich im Widerstand bin mit dem was ist: Krieg, Gewalt, Ungerechtigkeit, Armut. Je mehr ich sage: “Das dürfte nicht sein”, umso mehr erzeuge ich Unfrieden in mir.

taubeWill ich wirklich zu einem “Friedensstifter” werden in der Welt, kann das nur geschehen indem ich den Frieden in mir unaufhörlich suche – trotz und gerade dem, was um mich herum sich abspielt. Das ist manchmal gar nicht so leicht, man reagiert einfach so schnell und wird dann zu dem, auf was man reagiert.

Ich kenne da zwei schöne Beispiele aus dem “wahren” Leben – dem PKW-Straßenverkehr.
Da hatte ich mal eine Situation, wo mich ein anderer Verkehrsteilnehmer anhupte und mir den Vogel zeigte. Ich weiß tatsächlich nicht genau, was ich getan habe um das bei ihm auszulösen, aber er wird sicherlich seine Gründe gehabt haben. Und ruck-zuck – ich habe es gar nicht wirklich mitbekommen – sehe ich mich selbst mit steil nach oben gerecktem Mittelfinger. Mist, das ist aber gar nicht spirituell (Hoffentlich sah niemand meinen Aufkleber hinten am Auto mit www.Tantrazentrum.de drauf)
Was aber noch viel stärker ist: Den ganzen Tag trug ich die ganze Geschichte in mir spazieren. Mal war ich auf den Typen im Auto sauer, mal auf mich selbst, mal auf das Leben an sich und sogar auf meinen Sohn habe ich das ganze auch noch projiziert. Erst als ich mich hingesetzt habe und diesen Emotionsbrei in mir gespürt habe, da zeigte sich auf einmal wieder der Frieden.

Im anderen Beispiel war es ähnlich mit einem LWK-Fahrer. Er hupte und schlug sich mit der flachen Hand vor den Kopf um mir meine (aus seiner Sicht empfundene) Beschränktheit mitzuteilen. Diesmal war ich wacher, blieb erstmal ruhig. Spürte seine Wut und Aggression wie sie auf mich einprasselten – Kein schönes Gefühl, da mag man lieber um sich schlagen als zu spüren. Nach einigen Sekunden passierte etwas erstaunliches. Die Gefühle gingen durch mich hindurch, wie durch eine dünne Nebelwand. Ich konnte sie noch immer spüren, aber ich verwechselte mich nicht mehr damit. Und auch bei dem LKW-Fahrer passierte etwas: Mit einem mal erstarrte er und sah sich selbst im Auto herumtoben, ich glaube ihm war sein Verhalten peinlich. Er legte den Gang ein, blickte verwirrt zu mir und ich lächelte ihn an. Er fuhr weiter und ich sah ihn natürlich nie mehr… (Berlin ist groß)

taube2Friedlich sein heißt als allererstes gewillt zu sein zu spüren, was das Leben mir zeigen möchte. Ohne Reaktion, ohne Abwehr, ohne Verdrängung. Das ist sehr unangenehm, manchmal kaum auszuhalten. Und dann, wenn es fast keine Handlung mehr im Außen braucht, zeigt sich auf einmal die Wahrheit. Sieht man das Leben, so, wie es wirklich ist. Setzt man die dreckige Brille ab und sieht das Leben kristallklar. Oft braucht es dann gar nicht mehr so viel Handlung im Außen, manchmal aber erst recht.

Carmen (manche kennen sie aus den Seminaren) erzählte mir da mal eine Geschichte, die ich sehr lehrreich fand. Wir gingen gerade durch Berlin und sahen eine alte Frau, die am Boden saß und bettelte. Carmen berichtete mir, daß es ihr früher sehr schwer fiel an bettelten Menschen vorbei zu gehen, weil sie das mit einer Welle von Schuldgefühlen (weil es ihr gesundheitlich und scheinbar finanziell besser ginge) erfüllte. Also gab sie der alten Frau 20€. Als sie zwei Stunden später wieder an der Frau vorbei kam, torkelte die Frau betrunken mit vollgepinkelten Hosen und einem Einkaufsbeutel voller klappernder Flaschen in der Hand (offensichtlich von den 20€ erworben) über den Gehsteig und konnte kein einziges klares Wort mehr artikulieren. Carmen hat sich dann mit dem Gefühl des Mitleids und Schuld auseinandergesetzt und kam dabei an ihren eigenen Schmerz. Sie stellte fest, daß sie sich mit den 20€ fast so etwas wie “freikaufen” wollte von diesen Gefühlen der Schuld in ihr.

Frieden entsteht da, wo ich mit-fühle.
Und nur daraus entsteht dann eine angemessene Handlung, die wirklich zum Frieden in der Welt beiträgt.

Alles Liebe,

Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Der Tod

Dirk

Die Konfrontation mit dem Tod, womöglich noch mit dem eigenen, ist eine einschneidende Erfahrung. Folgenden Brief erhielt ich vorgestern. Ich möchte den Brief und meine Antwort darauf hier – mit Einwilligung der Autorin – veröffentlichen:

Hallo Dirk,
Habe meine OP gut überstanden und bin auf dem Weg der Besserung. Ich hatte so eine Scheißangst. Ich habe zwar keine Angst vor dem was nach dem Tod kommt, aber gerade jetzt wollte ich die schöne Welt noch nicht verlassen, wo ich gerade wieder lebe.
Danke für deine vielen Briefe
liebe Grüße I.

Liebe I.,
schön, daß Du alles gut überstanden hast.
Daß, was uns am meisten in dieser Welt “treibt” ist sicherlich die Angst vor dem Tod. Nicht vor der Dunkelheit, sondern davor alles zu verlieren. Das gilt es zutiefst zu nehmen, zu durchfühlen.
Denn tatsächlich wird sich diese Aussage “gerade jetzt wollte ich die schöne Welt noch nicht verlassen” nie wandeln, wenn nicht die Todesangst dahinter gewandelt wird. Echte Freiheit beginnt dann. In allen Lebensbereichen.

Rilke schrieb einmal dazu:
Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen der Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.


Aus solch einer Aussage spricht die Weisheit und das Vertrauen eines Menschen, der seine Todesangst überwunden hat und nun tief verwurzelt im Leben steht. Vielleicht bist Du noch im Kontakt mit dieser Angst. Dann lasse Dich einfach darauf ein – spüre beides zugleich: Deine Todesangst und Deine Lebensfreude. Dann kann sich bald etwas ganz, ganz neues zeigen…

Alles Liebe,

Dirk.
www.Liesenfeld.de