Archiv für November, 2008

Schicksal

Dirk

Es gibt Ereignisse im Leben, die wir nicht so gerne haben, es gibt ebenso Ereignisse, die wir am liebsten nie gehabt hätten. Wir nennen solches dann kurzerhand “Schicksalsschläge”.

Das Leben kennt jedoch kein Gut oder Böse, ihm sind – ähnlich wie bei der Justitia dargestellt -die Augen verbunden (Sie schaut in manchen Darstellungen auch mal demonstrativ zur Seite)

Man könnte das auch spiritueller ausdrücken: Im Leben geht es nicht darum, was wir im Außen erlangen: Geld, Macht, Ruhm, Ehre, Kinder, Haus…

Und dennoch hat das Außen natürlich eine wichtige Aufgabe: Es soll uns Erfahrungsräume offenbaren. Wenn Du Dein Leben rückwirkend ansiehst, dann wirst Du Dich an die verschiedensten Erfahrungsräume erinnern können: Fette Zeiten, Magere Zeiten, unbeschwerte Zeiten, schwere Zeiten…

All diese unterschiedlichsten Erfahrungsräume lassen die jungen menschlichen Seelen reifen – und das ist nur dann “schmerzhaft”, wenn man im Widerstand dagegen ist. Der Dalai Lama hat mal so schön griffig gesagt: “Leid entsteht nur durch Anhaftung.”

Und Anhaftung gibt es in zwei Ausprägungen: Wir wollen das, was wir haben nicht verlieren oder wir wollen das, was wir haben loswerden. Das heißt, es gibt auch nur zwei Quellen des Leides. Probiere es mal aus, es ist echt abgefahren – ein totaler Perspektivenwechsel – sich sein persönliches Leid mal unter dieser Prämisse anzusehen.

Wenn man das mal richtig reinläßt, kann man eigentlich nur zu einer Schlußfolgerung kommen, eine Art neues Lebensmanagement sich aneignen. Es geht um die Unterscheidung zwischen Vorsicht und Aufmerksamkeit. Man tendiert leicht dazu aus vergangenen Erlebnissen eine Handlungsprämisse abzuleiten: Wenn es toll war, sagen wir: “Super, das muß ich wieder so machen.” Wenn es unschön war, sagen wir: “Verdammt. Das darf mir nie wieder passieren, da muß ich vorsichtig sein.” Beides ist jedoch die gleiche Medaille, die eine Seite der Anhaftung, die andere Seite der Abwehr. Wenn uns die Vergangenheit “vorsichtig” gemacht hat, wird sich das Leben mehr und mehr in ein Tal des Leides verwandeln, denn das Leben will uns lebendig haben.

Bewegt uns die Vergangenheit jedoch dazu immer aufmerksamer zu werden, schaut es schon ganz anders aus. Aufmerksamkeit ist einfach nichts anderes, als neugierig und erfahrungshungrig hinzusehen und hinzuspüren:
“Post von der Staatsanwaltschaft? Boah, Wahnsinn, was das in mir auslöst, wahre Gefühlsstürme.”
“Ein sehr sinnlicher Kuß von einer wunderschönen, fremden Frau? Boah, Wahnsinn, was das in mir auslöst, wahre Gefühlsstürme.”

Das Leben bietet schmerzvolle und glückselige Momente und da, wo der innere Widerstand wegfällt, sind beides völlig Gleich-Gültige Erfahrungsräume. Da, wo das Leid beginnt, ist immer der Widerstand gegen das, was ist die Ursache.

Alles Liebe,

Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Von Sarah…

Sarah

Als Dirk mir von dem Blog erzählte, fand ich das eine sehr schöne Idee. Als er mich dann erwartungsvoll aufforderte auch meine Gedanken dort niederzuschreiben, sah ich das plötzlich ganz anders.

Wie?? Was soll ich denn da rein schreiben??

Dirk meinte:” Na schreib doch einfach das, was dich selbst gerade beschäftigt. Das können die alltäglichsten Dinge sein.”

Wie, alltägliches, was mich beschäftigt? – Interessiert das denn jemanden? Und das heißt doch auch mich ganz alltäglich, persönlich zu zeigen. Wirklich offen zu zeigen, wer ich bin – Aber wozu denn?

Ich denke nach und gelange zu dem, was mir wirklich wichtig ist im Leben: Die Verbindung. Zu mir , zu dir, zu dem was mich umgibt und dem was über all das hinausgeht.

Aber die kann doch nur entstehen, wenn ich mich “offenlege”, bekannt gebe, wer ich denn im Grunde bin. Dir ehrlich zeige mit wem du da überhaupt in Verbindung treten sollst.

Aber, denke ich mir, muß ausgerechnet Ich das sein?

Die Antwort ist mir natürlich unbehaglich, aber dennoch sehr schnell klar. Ja, es kommt genau und gerade auf dich an. Es hängt jetzt und auch sonst von dir ab. Vielleicht hängt es sogar genau an dir.

Wenn meine Aufgabe es also ist den Anfang zu machen, mich den Anderen mitzuteilen. Zu teilen was mich bewegt. Wenn das notwendig ist. um Verbindung und ein Verstehen zwischen dir und mir zu schaffen, dann muß ich diese Scheu überwinden. Diese Angst angreifbar, verurteilbar zu sein.

Vielleicht kommt es immer auf jeden von uns an, als Erste/r das zu überwinden was wir am meisten fürchten, damit das passieren kann, was wir uns am meisten wünschen.

Somit ist dies mein erster Eintrag und meine erste überwundende Angst das mitzuteilen, was mich bewegt.

Das mitzuteilen, was sich in mir bewegt, wenn das Leben mit einer ungewollten Aufgabe an meine Tür klopft.

Liebe Grüße,

Sarah
www.Liesenfeld.de

 

Mißbrauch

Dirk

Immer und immer wieder begegnen mir in unserer Arbeit – sei es in den Sessions, sei es in den Seminaren – mißbrauchte Menschen. So viele, daß ich mich oft frage, ob wir dies anziehen, oder einfach die Welt übervoll damit ist.

Vermutlich stimmt beides.

Und dennoch mag ich das nicht als “normal” hinnehmen, es ist niemals normal, wenn Menschen sich so etwas antun, egal wie oft es vorkommt. Im Mißbrauch, so mag es mir scheinen, gibt es nur Opfer – allzu oft wurde der Täter selbst zuvor mißbraucht, als er (oder sie) der schwache war. Keiner macht sowas einfach so, weil man so glücklich mit sich und der Welt ist, nicht wahr?
Ja, aber – will man dann schnell brüllen. Ja, aber – dennoch enthebt das nicht der persönlichen Verantwortung.
Das ist wahr.
Aber wo bleibt meine persönliche Verantwortung, wenn ich vorschnell verurteile? Ist das nicht letztlich auch eine Schutzwand vor dem Mitfühlen in die menschlichen Abgründe und seelischen Nöte?
“Monster-Mutter” steht dann auf der Titelseite. Und im Artikel sehe ich dann ein Bild einer jungen Mutter, selbst noch ein Kind, selbst mißbraucht worden vom Vater, einfach nur die Fortsetzung einer Tragödie, fast so alt wie die Menschheitsgeschichte.

Was heißt also ‘Mitgefühl’ in diesem Zusammenhang? Nun, es steckt ja schon im Wort drin: Einfach alle Pole mitfühlen und das geht weder, wenn ich mich ins Mitleid dem ‘Opfer’ gegenüber flüchte, noch der Verurteilung dem ‘Täter’ gegenüber.
Mitfühlen heißt dann doch eigentlich nicht anderes, als sich den eigenen Abgründen zu stellen…

Alles Liebe,

Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Seminargedanken

Dirk

Noch immer schwirrt das Seminar in mir umher. Es war – ähnlich wie die Gruppe davor auch schon – sehr intensiv und freundschaftlich. Es hatte was von dem alten Haudegen-Spruch “Einer für Alle und Alle für Einen”.

Es berührt mich immer an einer ganz besonderen Stelle, wenn sowas entsteht. Am Sonntag in der letzten Runde war es besonders präsent. Wir saßen gemeinsam zusammen, es war sehr friedlich und ruhig. Nichts zu tun. Nichts zu verändern. Einfach nur beisammen sein.

Das sind die Momente der Liebe.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen dem individuellen Erwachen und der kollektiven Liebe: Wach-Sein heißt ohne andere Menschen im Sein zu – äh… – sein? Während Liebe den Zustand des Still-Seins in die Gemeinschaft trägt?

Ich fand es auch sehr schön, daß dann ein Teil der Teilnehmer ein Abschlußphoto machen wollte und das möchte ich auch gerne hier zur Verfügung stellen…

Alles Liebe,

Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Das Leben

Dirk

Immer, wenn ich denke, ich wüßte wie es geht; dann steht das Leben bereits in den Startlöchern um mir zu beweisen, daß es nicht faßbar ist. Die Unfaßbarkeit ist eines der tiefstgehenden Gefühle, fast wie die Wurzel eines Zahnes.

Auch hier: Was geschieht, wenn ich das annehme in all seiner Breite?

Der Verstand schreit in die Seele:

“Das ist echt, das ist fürchterlich, kämpfe, fliehe, mach was.”
Mit schier unmenschlicher Anstrengung zwingst Du Deinen Blick weg vom Außen, weg von der drohend erhobenen Kobra – wider aller Vernunft- hinein ins Innen. Dort tobt der wahre Krieg, mörderische Schmerzen, wirre Gedanken, glühende Lava.
Wieder zwingst Du Dich still zu halten – läßt Dich darin verbrennen – wider jeder Vernunft. Das ist einfach nicht auszuhalten – aber was ist die Alternative? Und dann, wenn es am schlimmsten war, einfach so… Stille. Unfaßbar. Du hebst den Blick, schaust ins Leben und siehst nur angenehme Neutralität – frisch wie eine kühle Brise vom Meer.

Tatsächlich scheint es nur zwei Kategorien des Menschseins zu geben: Diejenigen, die es mitnahm, die sich den inneren Gefühlen und damit dem Leben an sich stellen. Und diejenige, die das nicht tun – sich betäuben um zu über-leben.

Wozu will ich gehören? Wozu gehöre ich?
Diese Frage ist eine wesentliche…

Alles Liebe,

Dirk.
www.Liesenfeld.de

 

Gästebuch

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Willkommen

Dirk
Sarah

Herzlich Willkommen! Jede Woche veröffentlichen wir hier einen neuen Artikel über Tantra, Selbsterkenntnis und – naja – das Leben an sich. Die Artikel kannst Du entweder tagesaktuell lesen, d.h. einfach von oben nach unten: Neueste Artikel stehen zuoberst, die älteren weiter unten. Oder Du kannst sie chronologisch lesen, dann fängst Du einfach von unten an. Links siehst Du die Rubrik “Andere Monate”. Dort gelangst Du zu früheren Einträgen (z.B. “November 2008″) Wenn Du möchtest kannst Du Dich registrieren (unter “Login, Profil,Schreiben”) und dann Deine eigenen Gedanken zu den einzelnen Beiträgen in den Kommentaren veröffentlichen.

Die Seminartermine 2011 sind online.

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